Funktionell-ästhetische Nasenkorrektur (Septorhinoplastik)

Prof. Dr. med. Eckard Gehrking

Wissenschaft   –   Kunst   –   Handwerk

Korrekturen bei  Formveränderungen der Nase gehören aufgrund ihrer Komplexität sicherlich zu den technisch schwierigsten Eingriffen im Kopf-Halsbereich, gilt es doch sowohl die Funktion (Nasenatmung) als auch das äußere Erscheinungsbild der Nase wiederherzustellen oder zu verbessern. Die chirurgische Expertise in dieser „Königsdisziplin“ basiert auf Geschick und Erfahrung in Wissenschaft, Kunst und Handwerk.   

Form und Funktion liegen eng beieinander, am besten zu erkennen bei der Schiefnase. Mit dem Wiederherstellen der (Nasen-)symmetrie durch die chirurgische Medianstellung der äußeren und inneren Nase werden beide Ziele zugleich erreicht („Form follows function“). Bei  anderen Fehlstellungen der Nase (Höckernase, Höcker-Spannungsnase, Langnase, Breitnase, Sattelnase) reicht eine Wiederherstellung der Symmetrie nicht aus. Hier müssen weitreichende Eingriffe in die Infrastruktur der Nase erfolgen, indem Knorpel und/oder Knochen entfernt oder hinzugefügt wird. Eine weitreichende Veränderung der Nasenform ist die Folge, die nicht mehr rückgängig zu machen ist! Der Entschluss zum Eingriff selbst will also wohlüberlegt sein, aber auch die gewünschte zukünftige Nasenform sollte im Arzt-/Patientengespräch nach genauer Analyse  klar definiert werden.

Im Endergebnis sollte eine natürliche, wohlproportionierte Nase resultieren, die ästhetisch ansprechend wirkt und zugleich eine gute Nasenatmung ermöglicht!

Vorbereitung

Die Nasenkorrektur beginnt schon mit der Planung! Bei der Erstuntersuchung werden die Patientenbeschwerden genau erfasst  und die innere und äußere Nase untersucht, um funktionelle Engstellen im Naseninneren und Formveränderungen bzw. Anomalien der äußeren Nase zu erfassen. Für eine genauere Analyse der aktuellen Nasenform werden digitale Fotographien des Gesichtes in verschiedenen Projektionen professionell angefertigt. Basierend auf den digitalen Bilder wird die Nase nicht nur subjektiv bewertet, sondern auch objektiv vermessen. Hierbei werden die Gesichtsproportionen und verschiedene Nasenparameter (Höhe, Länge, Winkel)  computergestützt definiert. Die aktuellen Werte werden dann mit ästhetischen „Idealwerten“ verglichen, so dass auch geringe Defizite und Unregelmäßigkeiten in der Nasenform aufgedeckt werden können.
Mit Hilfe der Computersimulation werden dann die Nasenproportionen neu ausbalanciert. Dies ermöglicht es, die individuell optimale Nasenform zu finden.
Dieses Vorgehen bietet zum einen den Vorteil, dass die Patientin/der Patient eine Vorstellung vom angestrebten Operationsergebnis erhält, zum anderen kann der Operateur sich hierdurch besser mit der Patientin/dem Patienten über das Operationziel verständigen und sich an den individuellen  Wünschen orientieren (an dieser Stelle soll ausdrücklich betont werden, dass die Computersimulation nicht das zukünftige, garantierte Ergebnis wiederspiegeln kann, sondern eher als „Arbeitsvorlage“ für den Chirurgen zu sehen ist).



„Balancierte Septorhinoplastik“

Computerbasierte Gesichtsanalyse anhand digitaler Photographie: Mittelgesichtshöhe (grün), Nasenwurzelhöhe (gelb), Nasenlänge bzw. nasofazialer Winkel (blau), Nasenspitzenhöhe bzw. Nasenspitzenwinkel (rot) und Kolumellawinkel (rosa). Basierend auf den errechneten idealen Gesichtsproportionen wurde eine präoperative Computersimulation erstellt (rechtes Bild). Um die erforderlichen  Veränderungen (Reduktion der Nasenwurzel, des Nasenrückens und der Nasenspitze) darzustellen, wurde das Original auf die Simulation überlagert.



„Balancierte Septorhinoplastik“

Ausgangsbefund als Schattenriss (links), Computersimulation (Mitte), postoperatives Ergebnis (rechts).
Harmonisierung des Nasenprofils durch Absenken (2 mm) und Rotation der Nasenspitze sowie Reduktion des Nasenrückens. Durch die Deprojektion der Nasenspitze kommt es zu einer Verbesserung des nasofazialen Winkels von 30° auf 28°.



„Balancierte Septorhinoplastik“

Ausgangsbefund als Schattenriss (links), Computersimulation (Mitte), postoperatives Ergebnis (rechts).
Harmonisierung des Nasenprofils durch Absenken (4 mm) und Rotation der Nasenspitze sowie Reduktion des Nasenrückens.



„Balancierte Septorhinoplastik“

Ausgangsbefund im Profil als Schattenriss (links), postoperatives Ergebnis (Mitte links), Nasenspitze/-basis als Schattenriss (Mitte rechts), postoperatives Ergebnis.
Verschmälerung und Aufrichtung einer Breitnase durch Neumodellierung und Aufbau der Nasenspitze.

Technik

Die chirurgischen Maßnahmen und Techniken richten sich nach dem im Arzt/Patientengespräch anhand der computersimulierten Bilder definierten Operationsziel. Die Wahl des chirurgischen Zugangs richtet sich nach der individuellen Operationsplanung.  Viele Naseneingriffe können von endonasal (= innerhalb der Nase) durchgeführt werden. Bei  Revisionsoperationen oder schwierigen Korrekturen im Bereich der Nasenspitze oder des Nasenrückens (z.B. Höcker-Spannungsnase) ist ein offener Zugang durch einen Hautschnitt im Nasensteg erforderlich, weil hierbei noch präziser gearbeitet werden kann.  Die resultierende Narbe verheilt in der Regel gut und ist kosmetisch nicht störend. Wichtigster Schritt bei den meisten Nasenkorekturen und damit zentraler Baustein einer jeden Nasenkorrektur ist die Begradigung der knorpeligen und knöchernen Nasenscheidewand  (= Septumplastik), da das Septum der zentrale Stützpfeiler der Nase ist. Es trennt beide Nasenhaupthöhlen voneinander, definiert aber auch die Nasenlänge und die Form und Höhe des unteren Nasenrückens. Ein gerades Septum ist daher nicht nur unter funktionellen Gesichtspunkten wichtig, sondern auch in ästhetischer Hinsicht. Das weitere Operationskonzept besteht in der Reduktion der knorpelig-knöchernen Infrastruktur und/oder dem Aufbau derselben. Verschiedenste chirurgische Techniken müssen hierbei je nach Ausgangsbefund  angewendet und beherrscht werden. Bei voroperierten Nasen muss hierzu gegebenenfalls Knorpelersatzmaterial aus der Ohrmuschel genommen werden, bei größeren strukturellen Defiziten (z.B. Sattelnasen) unter Umständen auch aus der Rippe. Äußere Korrekturen der Nase erfordern zumeist eine Mobilisierung des Nasenknochens. Durch Einsatz von Mikroosteotomen (=Knochenmeißel) kann das Gewebetrauma allerdings gering gehalten werden.

Nachbehandlung

Am Ende der Operation wird die Nase durch eine äußere Kunststoffschiene für eine Woche geschient, die innere Nase wird durch Silikonschienen für eine Woche stabilisiert. Auf Nasentamponaden kann in der Regel verzichtet werden, sodass schmerzhafte Detamponaden entfallen. Blutergüsse der Nase und der Lider sind in variablem Ausmaß zu erwarten, gehen aber ab dem zweiten postoperativen Tag zunehmend zurück. Nach Entfernung der Schienen sollte die Nase für 3 Wochen nachts mit einem Pflaster versorgt werden, um weiteren Schwellungen vorzubeugen. Nasenspülungen und –salbungen für weitere 6 Monate sind zu empfehlen.

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